Das Risiko von Übergriffen ist für Frauen auf Geschäftsreise größer als für männliche Kollegen.
Das Risiko von Übergriffen ist für Frauen auf Geschäftsreise größer als für männliche Kollegen.

Die Situation ist vielen weiblichen Geschäftsreisenden nur zu vertraut: „Allein an der Bar oder im Restaurant zu sitzen, das ist im Ausland für Frauen oft der reinste Horror“, sagt Sven Leidel, Managing Director der Sicherheitsberatung ASI Europe. Denn dort, aber durchaus auch im Inland, bleiben sie häufig nicht lange allein. Werden von aufdringlichen Männern angesprochen oder mitunter sogar als Prostituierte wahrgenommen, so Leidel weiter.
Frauen, das zeigen solche realistischen Schilderungen, drohen auf Reisen, auch auf Geschäftsreisen, mitunter spezielle Risiken. Die bestehen dabei nicht nur in plumper Anmache nach Dienstschluss in der Hotelbar. „In vielen Ländern werden Frauen von Kriminellen als einfaches Ziel eingeordnet“, so Sicherheitsexperte Leidel. Die Vorstellung vom „schwachen Geschlecht“ scheint hier durch.

Frauen auf Geschäftsreise: Probleme in fremden Kulturen

Das gilt umso mehr, wenn dem weiblichen Geschlecht in der jeweiligen Kultur eine untergeordnete Stellung zugewiesen wird. Da überrascht es nicht, dass Afghanistan, der Kongo, Pakistan, Indien und Somalia laut Forbes Online die Liste der gefährlichsten Länder für Frauen anführen, zumindest mit Blick auf gewalttätige Übergriffe und Vergewaltigungen.
Auch wenn diese Ziele – vielleicht mit Ausnahme Indiens – sicher nicht zu den klassischen Geschäftsreisedestinationen zählen, sollten Unternehmen die Gefahr, die ihren weiblichen Mitarbeitern auf Auslandsreisen droht, nicht unterschätzen. Dabei gehe es nicht darum, Frauen Angst zu machen, wie Sven Leidel auf dem VDRSicherheitsforum im Rahmen des fvw Kongresses in Köln betonte. Es gehe allein darum, die Augen nicht vor möglichen Bedrohungen zu verschließen.
Zumal die Firmen immer mehr Frauen auf Dienstreisen schicken. In den Ländern Skandinaviens werden laut der Studie „How Women Travel“ von der Unternehmensberatung A. T. Kearney bereits zwei von fünf Business Trips von Frauen absolviert. In Frankreich beträgt der Anteil der Dienstfahrten, der von weiblichen Business Travellern unternommen wird, immerhin gut ein Drittel. Deutschland hinkt mit einem Anteil von knapp 20 Prozent zwar noch etwas hinterher. Doch werden damit auch hierzulande von zuletzt mehr als 166 Mill. Geschäftsreisen im Jahr immerhin schon mehr als 41 Millionen Dienstfahrten von Frauen getätigt. Eine Zahl, die in Zukunft noch erheblich zunehmen dürfte. Die Berater von A.T. Kearney gehen jedenfalls davon aus, dass bis zum Jahr 2020 38 Prozent aller Business Trips in Deutschland von Frauen durchgeführt werden.
Auch wenn Frauen heute ebenso selbstverständlich auf Geschäftsreise gehen wie ihre männlichen Kollegen, optimal vorbereitet fühlen sie sich nicht in jedem Fall. In einer von ASIManager Leidel durchgeführten, allerdings nicht repräsentativen Umfrage unter weiblichen Geschäftsreisenden, gaben zwei Drittel an, keine speziellen Verhaltensempfehlungen durch den Arbeitgeber vor Auslandsreisen zu er halten. Mehr als drei Viertel waren zudem der Meinung, dass ihr Unternehmen bei Prävention und Reisevorbereitung mehr tun sollte. Dabei wünschen sie sich unter anderem onlinegestützte Schulungen.
Wenn Frauen auf Geschäftsreise gehen, dann fühlen sie sich aber nicht nur beim Bar oder Restaurantbesuch unwohl. (Sicherheits)Bedenken gibt es auch mit Blick auf das Hotel und die Nutzung der Verkehrsmittel vor Ort.

Spezifische Infos für weibliche Geschäftsreisende anbieten

Abtun sollten Arbeitgeber solche Befürchtungen nicht. Denn das Risiko weiblicher Geschäftsreisender ist tatsächlich höher als das der männlichen Kollegen. Daher sollten Unternehmen auch schon aufgrund ihrer gesetzlichen Fürsorgepflicht den Mitarbeitern gegenüber entsprechende Maßnahmen vor und während der Reise ergreifen.
Das beginnt mit den Informationen über das jeweilige Reiseland. Insbesondere bei Reisen in Länder anderer Kulturkreise sollten dabei auch Angaben zur Stellung der Frau enthalten sein. Wobei dann aber auch die Reisenden selbst gefordert sind, sich nicht nur mit Klimatabellen und der aktuellen Wetterlage zu beschäftigen. Länderdatenbanken wie zum Beispiel von Company Tip oder die Infosysteme von Sicherheitsberatungen wie ASI, Control Risk oder der Result Group bieten hier nützliche Hinweise.
Um dem Sicherheitsbedürfnis von Frauen entgegenzukommen, sollten Unternehmen zudem bei der Hotelauswahl und -buchung besondere Sorgfalt walten lassen. Manche Häuser bieten Frauenparkplätze oder spezielle Etagen allein für Frauen an. Services, die zeigen, dass sich die Betreiber um ihre weibliche Klientel bemühen. Für den Hotelaufenthalt selbst gibt es laut Sven Leidel zahlreiche einfache Tipps, um die Sicherheit zu erhöhen.

Taxi nur für geschäftsreisende Frauen

Auch sonst lässt sich das Risiko für Frauen, auf Reisen Opfer eines Übergriffs zu werden, schon mit Hilfe zahlreicher kleiner, eher unspektakulärer Maßnahmen reduzieren. So rät Sicherheitsexperte Leidel dazu, wo möglich Hotelbuchungen ohne vollen Vornamen zu tätigen. Auch der Adressanhänger am Reisegepäck sollte möglichst nicht den vollen Vornamen enthalten. Er empfiehlt zudem, die Firmen- und nicht die Privatanschrift anzugeben.
Auch ein Ehering am Finger kann nützlich sein – selbst wenn man nicht verheiratet ist. Er hält unter Umständen manchen Mann von einer allzu aufdringlichen Anmache ab.
Meiden sollten Frauen auf Auslandsreisen laut Seidel möglichst öffentliche Verkehrsmit tel. Denn hier ist die Gefahr von Übergriffen vergleichsweise hoch. Der Sicherheitsexperte rät dazu, lieber in ein Taxi zu steigen. Der Kostenaspekt sollte hier nebensächlich sein.
Wobei allerdings auch bei der Taxinutzung im Ausland mitunter spezielle Regeln einzuhalten sind. So verbietet es sich in manchen Ländern auf dem Beifahrersitz eines Taxis Platz zu nehmen. Das könnte der Fahrer missverstehen, so Leidel. Wo möglich, sollten weibliche Reisende daher spezielle Frauentaxen nutzen, bei denen allein Fahrerinnen hinter dem Steuer sitzen. Ein Service, den es in immer mehr Großstädten gibt. So sind die meist in Rosa gehaltenen Taxis unter anderem in Dubai, London, Moskau oder im mexikanischen Puebla unterwegs. In London müssen Frauen allerdings zuerst Mitglied bei „Pink Ladies“ werden, eine Non-Profit-Organisation, die den Chauffeurdienst anbietet. Der Mitgliedsbeitrag beträgt zehn britische Pfund pro Jahr. Für Frauen ein sicherlich gut angelegter Betrag.

Frauen auf Dienstreise: Acht Tipps für den sicheren Hotelaufenthalt

Zimmerwahl: Buchen Sie möglichst Zimmer zwischen dem 2. und 5. Stock. Das gilt für Frauen und Männer gleichermaßen. Der 1. Stock wird noch am ehesten von Kriminellen heimgesucht. Und bei einem Feuer reichen die Rettungsleitern der Feuerwehr meist nur bis zum 5. Stock.

Einchecken: Frauen sollten sich vom Pagen aufs Zimmer begleiten lassen.

15-Sekunden-Check: Bevor der Page das Hotelzimmer verlässt, ein kurzer Rundgang durch alle Räumlichkeiten.

Klopfen an der Zimmertür: Vor dem Öffnen die Dusche im Bad andrehen. Das suggeriert, dass noch eine andere Person anwesend ist.

Männerutensilien während des Aufenthaltes im Bad und Zimmer auslegen.

Gäste niemals auf dem eigenen Zimmer empfangen, sondern in der Lobby treffen. Ähnliches gilt auch für Nachrichten oder Pakete: Sie sollte man stets an der Rezeption abholen und nicht auf das eigene Zimmer bringen lassen.

Den Hotelschlüssel stets mit sich führen und nicht an der Rezeption abgeben.

Beim Verlassen des Zimmers das Licht und eventuell auch den Fernseher anlassen. Das schreckt Kriminelle ab.

Ein Türstopper sorgt für zusätzliche Absicherung der Zimmertür.

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