LOT stattet ihre Dreamliner mit der Premium-Klasse aus Foto LOT

Manchmal läuft das eben so. Eine Idee klingt gut, verspricht großen Erfolg, setzt sich dann doch nicht durch. Nicht direkt. Der Durchbruch kommt viele Jahre später, fast hatte man nicht mehr mit ihm gerechnet. Genau das passierte der „Premium Economy Class“ bei Geschäftsreisenden. Obwohl viele Fluggesellschaften die Zwischenklasse längst eingeführt hatten, gab es im Reisemanagement der Unternehmen meist nur eine Alternative: Business oder Economy. Und als 2009 die Krise kam, stuften die Firmen ihre Langstrecken-Traveller oft direkt auf Touristenklasse herunter.

Das ändert sich gerade: Seit einigen Monaten erfährt die Premium Eco bei Firmenkunden wachsenden Zuspruch. „Wir stellen ein deutliches Plus bei den Buchungen fest“, sagt beispielsweise Mark Tantz, Geschäftsführer der Reisebürokette FCM. Dass die Zwischenklasse ab Deutschland noch keine Höhenflüge unternimmt, liegt am Angebot: Marktführer Lufthansa verzichtet auf sie. Noch – denn das „Nein“ fällt nicht mehr so kategorisch aus wie vor einigen Jahren.

Reiserichtlinien verbieten Business Class

„Die Nachfrage nach unserer Deluxe Economy steigt kontinuierlich, und vor allem in diesem Jahr haben wir einen starken Anstieg von Geschäftsreise-Buchungen beobachtet“, sagt Nguyen Quoc Phuong, Deutschland-Chef von Vietnam Airlines. Eine Feststellung, der SAS-Marketing-Managerin Annika Bäcker zustimmt: Die Economy Extra, wie SAS ihre Premium Eco nennt, findet zunehmend Gefallen bei Geschäftsreisenden. Den Grund dafür sieht Bäcker in schärferen Reiserichtlinien, Kostendruck und einem preissensibleren Verhalten der Reisenden selbst. Yujiro Takei, Deutschland-Chef der ANA, ergänzt: „Dies ist vor allem in Zyklen der Fall, in denen Firmen ihre Reiserichtlinien strenger fassen um zu sparen.“ Gern werden bei ANA aber auch Bonusmeilen für ein Upgrade in die Premium genutzt.

Pionier der Premium Economy war die taiwanesische Eva Air: Sie führte die Klasse vor 20 Jahren ein. Zu den europäischen Vorreitern zählen British Airways und SAS, die seit 2000/2001 dabei sind. Inzwischen sind ihnen gut 25 Fluggesellschaften von BA über Condor und JAL bis Transaero gefolgt, und gerade in jüngster Zeit entdecken viele Airlines die „goldene Mitte“ für sich.

Bei Cathay können Reisende aus Deutschland seit einem Monat in der Premium Eco Platz nehmen: Die Sitze bieten 96,5 cm Beinfreiheit, sind breiter und lassen sich weiter zurücklehnen als in der Economy. ANA-Passagiere können die Klasse seit Kurzem auf der Route Frankfurt–Tokio buchen, und Delta hat sie nun auch für US-Inlandsflüge eingeführt. Die polnische LOT nimmt sie unter der Bezeichnung Premium Club ganz neu in ihr Portfolio auf: Bis Januar 2013 will LOT ihren ersten Dreamliner (Boeing B-787) damit ausstatten. Relativ neu sind auch Air France mit ihrer Premium Economy und Turkish Airlines mit der Comfort Class. Alitalia bestückt ihre fünf Airbus A-330 mit der Classica Plus, wie sie bei den Italienern heißt. Sie bietet mit 97 cm fast 40 Prozent mehr Beinfreiheit als die Economy, einen um 120 Grad verstellbaren Sitz und – natürlich – Gratis-Espresso.

Aber auch der Ferienflieger Condor lockt mit seiner Premium Economy zunehmend Geschäftsreisende an Bord. Seit zwei Jahren bietet Condor die Klasse außer auf der Langstrecke auf Kurz- und Mittelstrecke an – der Mittelplatz bleibt dann frei. „Das Premium-Produkt entspricht meist den Economy-Reiserichtlinien, bietet aber einen höheren Komfort“, sagt SAS-Managerin Annika Bäcker. Einen zusätzlichen Reiz erfährt die Klasse aus der Tatsache, dass die Gräben zwischen Holzklasse einerseits und Business-Klasse andererseits immer größer werden: hier immer mehr Luxus wie flache Betten, dort engere Sitze und Zusatzgebühren.

Airlines bieten unterschiedliche Leistungen

Dabei ist Premium Eco nicht gleich Premium Eco: Nicht nur ihre Bezeichnung, sondern auch ihre Ausstattung ist von Airline zu Airline unterschiedlich. Trägt sie bei den einen Züge der Business Class, ist sie bei anderen eher eine aufgewertete Economy Class. In jedem Fall lohnt es sich, neben der größeren Beinfreiheit auf die weiteren Zusatzleistungen zu achten, die alle Gesellschaften anbieten.

Das kann die doppelte Menge Gepäck sein, ein bevorzugter Check-in, Priority Boarding, der Lounge-Zugang, ein USB-Anschluss, persönliches Leselicht, zusätzliche Snacks oder sogar das Business-Class-Menü. Cathay-Managerin Zimmermann hat festgestellt, dass Travel Manager „eine Vergleichsdatenbank aufbauen, angereichert mit den Erfahrungen der Reisenden zu den Produkten“. Der Qualitätsunterschied lässt sich meist gut an den Tarifen erkennen. Als Faustregel gilt: Je stärker man sich preislich der Business Class nähert, desto mehr darf man sich als Business-Passagier fühlen. Eines allerdings ist den meisten gemeinsam – und das dürfte auch der entscheidende Grund für Firmen sein, diese Klasse zu buchen: Die Beinfreiheit ist deutlich größer als in der Holzklasse.

Tipps und Tricks zur Premium Economy Class

Für die Premium Economy Class spricht in erster Linie die größere Beinfreiheit im Vergleich zur Economy Class. Meist handelt es sich um ein Plus von mindestens 10 bis 15 Zentimetern, bei manchen Fluggesellschaften ist es aber noch mehr. Zusätzlich dazu sind fast immer weitere Annehmlichkeiten wie mehr Freigepäck, größere Bildschirme, USB- und Stromanschlüsse, ein besseres Speisenangebot oder das schnellere Einchecken am Business-Class-Schalter enthalten. Vergleichen lohnt sich! Allerdings passen sich die Angebote der Airlines zunehmend an.

Premium Economy ist für Mittel- und Langstrecken perfekt, wenn die Business Class ausgebucht ist oder die Reiserichtlinien sie verbieten. In manchen Unternehmen zählt die Premium Economy automatisch zur Economy Class – sie kann vom Reisenden also problemlos gebucht werden. In anderen Firmen gilt sie hingegen als eigene Kategorie. Definieren Sie dies in Ihren Reiserichtlinien! Auf Aktionen achten! Viele Airlines haben regelmäßig Probierpreise für die Premium Economy Class im Angebot. Ganz besonders gilt dies, wenn das Produkt insgesamt oder zumindest auf einer bestimmten neuen Strecke eingeführt wird.

Premium Economy kann durch die flexibleren Umbuchungsregelungen Geld sparen helfen, wenn sich Termine verschieben. Der Preisunterschied zur flexiblen „normalen“ Economy Class ist dann oft so gering, dass sich angesichts der Vorteile die Buchung lohnt. Insgesamt sind die Preise bei den einzelnen Airlines für die Premium Economy sehr unterschiedlich. Bei SAS beispielsweise liegen sie bei Langstrecken genau in der Mitte zwischen Economy und Business Class.

Oft ist die Premium Economy in einer eigenen Kabine angesiedelt und wird damit für Incentive-Gruppen interessant, für die vormals die Business Class obligatorisch war.

Tipp: Eine Übersicht zu den Premium-Economy-Klassen können Sie sich hier als PDF downloaden.

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